die lesereise ist vorbei, die klagerei geht natürlich
weiter. nachdem ich wochenlang wie nicht bei trost durch die landschaft fuhr,
auf geheimen zickzack-kurs, um verfolger, stalker und das finanzamt
abzuschütteln, immer weiter zu immer weiter entfernten städten, die noch nie
etwas von der ddr gehört haben, geschweige denn von ihrem ende, brach mein
koffer, markenfake aus shanghai, mit einem geräusch von mürbem knäckebrot
auseinander, und flaschen, hilflose hemden und prekäre slips von verehrerinnen meiner
dichtkunst trudelten über die rolltreppe im hamburger hauptbahnhof, fuhren die
treppe hinauf und blieben in den ritzen hängen, wo sie noch etwas zappelten und zuckten.
sockendämmerung. the clash of kulturbeutel.
und ausnahmsweise
kein personenschaden. die rolltreppe hielt nicht auf freier strecke. die leute
mussten nicht auf andere ersatzrolltreppen ausweichen. polizei kam nicht. zum glück auch keine durchsage, die meldete, daß die treppe auf unbestimmte zeit halten müsse infolge eines unfalls mit getragenen unterhosen.
eher
ein fall für den ethikrat: einfach weitergehen, so tun, als habe man mit der altkleidersammlung nichts zu schaffen? oder zu seinen sachen stehen, sich mit ihnen identifizieren, ja, sie
annehmen?
drei „personenschäden“ meldete in den letzten tagen der zugchef
allein in den zügen, in denen ich fuhr. drei an einem tag. wird das jetzt mode
in deutschland, nach dem selbstmord von robert enke? kommt jetzt die
nachahmungs-suizid-welle? ein paar reisende erweckten den eindruck. am liebsten hätten
sie sich, der entstandenen verspätungen wegen, gleichfalls entleiben wollen, konnten aber sich vor den zug, in dem sie saßen, nicht werfen, weil der ja stand, bedauerlicherweise. pech ... zu allem überfluß ... auch das noch „... der dritte heute. ick gloobs ja
nich. können die nich nen andern zug nehmen, vor den se sich schmeißen?“
„personenschaden“ – kein schönes wort. klingt maschinell, technisch, etwas auch nach ungeziefer, das schäden verursacht. als sei etwas kaputt gegangen. der tod: ein personenschaden? sterben menschen dabei? oh, nein, sie werden nur schadhaft, das ist es, das genügt. und sind irgenwann einfach nicht mehr zu reparieren.
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