das goethe-institut hat mich eingeladen, nach mexiko zu kommen. ich komme. ich soll dort auf einem europäischen literaturfestival lesen. das mache ich. anschließend geht es auf eine reise zu städten, die alle so klingen, als könnte man dort für den rest des lebens verschollen bleiben: Pachuca, Chihuahua, Coahuila, Campeche. ich bin bereit. und sehr gespannt darauf, wie die mexikaner reagieren werden, wenn ich dort mit meiner kleinen süßen, für sie aber völlig fremden und sicher reichlich bizarren roman-parodie auf die deutsch-deutsche erinnerungskultur aufkreuze.
eine lesung im gefängnis von mexiko-stadt habe ich sicherheitshalber abgesagt, hauptsächlich aus einer art angst, ich könnte dort opfer einer verwechslung werden oder zufalls-depp im rahmen eines von den häftlingen initiierten austauschprojekts.
die empfehlungen zur einreise des auswärtigen amts lesen sich wie empfehlungen zur nichteinreise, und die "landesspezifischen sicherheitshinweise" für mexiko scheinen tips für schriftsteller zu sein, die ihren eintönigen erfahrungshorizont mit ein paar selbsterlebten verbrechen und echten nahtod-erfahrungen auffrischen wollen:
"Die Kriminalität stellt in Mexiko ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar ... täglich mehrere Hundert kriminelle Delikte ... Immer wieder sind auch Polizeikräfte bzw. uniformiertes Sicherheitspersonal an Straftaten beteiligt ... gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen staatlichen Sicherheitskräften und der Organisierten Kriminalität ... im vergangenen Jahr mehr als 6.000 Menschen zum Opfer gefallen ... Bei auf der Straße angehaltenen Taxis besteht besonders nach Einbruch der Dunkelheit die Gefahr, ausgeraubt zu werden ... Bei Fahrten mit der Untergrundbahn sollten Geld und Wertsachen nicht sichtbar am Körper getragen werden. Aber Achtung: Manche Diebe sind auch auf den Diebstahl von verdeckt getragenen Gürteltaschen spezialisiert ... Sollten Sie Opfer eines Überfalls werden, leisten Sie keinerlei Gegenwehr, da die Täter sofort von ihren Waffen Gebrauch machen ... Fahren Sie im Pkw nur mit geschlossenen Fenstern und verriegeln Sie die Türen ..."
von autoren, die darauf achten sollten, während der lesung nicht von der bühne geschossen zu werden, wird nicht eigens gesprochen.
am besten, man bleibt wie oblomow im bett, im mexikanischen bett, oder im hotelzimmer oder gleich im flugzeug sitzen – am besten gleich in frankfurt, so islands vulkane wollen.
und sonst? was macht das wetter? es könne, ist zu lesen, stickig sein in der stadt. die hurrikan-saison starte. mit tropenstürmen müsse gerechnet werden. und mit starken regenfällen. immer wieder gern komme es zu erdrutschen. april und mai, höre ich, seien in mexiko die "heißesten monate".
immerhin bliebe man innerlands verschont von unerwünschten ölanschwemmungen
Kommentiert von: Hannah | 23. Mai 10 um 16:34 Uhr